Recap

Ok, ein kurzer Recap: klar, die Meldungen Ende Januar von Corona in China irgendwie mal mitbekommen aber nicht auf uns bezogen. Die ersten Infizierte bei Webasto zwar wahrgenommen aber nicht im geringsten als Beginn einer Pandemie eingeschätzt. Mitte Februar zum ersten mal selber eine Nachricht darüber bei der Arbeit geschnitten.


https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/morgenmagazin/videos/MOMA-Reporter-104.html

Die erste Woche im März wollten wir in die Toskana.

Die Reise haben wir natürlich abgesagt, damals noch garnicht nur aus gesundheitlichen Bedenken, sondern auch wegen des ziemlich heftigen Rassismus in Europa. Sowieso immer präsent, in dem Moment allerdings speziell gegenüber Asiaten, denn die waren ja Schuld an Corona, irgendwie. Auch in Berlin wurde meiner Frau “Coronavirus” hinterhergerufen – sie ist Koreanerin. In Italien soll der Rassismus noch heftiger als in Deutschland gewesen sein, zwei Gründe um die Reise zu knicken. Fiel uns nicht leicht, wir hätten dringend ein bisschen Erholung gebraucht und wir haben wirklich bis zum letzten Tag mit uns gerungen.

Schon während der nächsten Tage stellte sich heraus das dies die richtige Entscheidung war – der spätere Verlauf der der Epidemie in Italien zeichnete sich bereits ab.

Ab dem 12./13./14./15.3. überschlugen sich für uns die Ereignisse. Am 12.3. kam die Oma aus Frankfurt um uns die nächsten Tage mit Kinderbetreuung zu unterstützen. Am 13.3., beim Abholen unseres Sohnes aus der Kita eröffnete uns die Kita-Leiterin, dass es einen Verdachtsfall gäbe, durfte aber aus Datenschutzgründen nicht sagen wer. Also noch nicht mal welche Personengruppe, ob Eltern, Kind oder Betreuerin oder ob von unserer Gruppe oder von der auf der anderen Seite.

Am 13. wollte meine Frau fürs Wochenende nach London aufbrechen um sich mit Freundinnen aus den USA zu treffen. Am 14. hätte ich nach Köln zur Arbeit fahren müssen für eine Woche.

Mir war nicht ganz klar, wie ich mit der Situation umgehen soll: die Leute von der Arbeit sagten das nur Leute die (nachgewiesen) selbst erkrankt oder in behördlich verordneter Quarantäne sind, nach den internen Richtlinien “entschuldigt” sind. Mein Einwand, das ich es ziemlich verantwortungslos fände ohne Testergebnis einen Schnitträume zu betreten und mit wechselnden Autorinnen stundenlang auf engem Raum zu arbeiten wurde zwar wahrgenommen aber mit der allgemeinen Sender-Richtlinien gekontert.

Da ich allerdings sowieso leichte Erkältungssymptome hatte, habe ich mich dann per Anruf beim Hausarzt krankschreiben lassen.

Auch retrospektiv betrachtet wieder die richtige Entscheidung. Nun sitzen wir seit inzwischen über einer Woche Zuhause, immer noch kein Testergebnis aus der Kita. Es nervt in den leergekauften Supermärkten die Dinge zu finden die man als nicht-Horder zum Leben braucht. Es nervt durch Kreuzberg zu fahren und Gruppen in Cafés beim Biertrinken zu sehen. Es nervt nicht zu wissen ob der Verdachtsfall in der Kita sich bestätigt oder nicht.

Eigentlich muss eine Ausgangssperre kommen (wird sie auch). Aber vor allem muss es – wie in Südkorea den Corons-Test für alle geben, ob mit oder ohne Symptome.