Und da zerbröseltz

Sicher, die Umstände sind neu. Aber die Geschwindigkeit in der bestimmte Werte sich im Lichte der Krise zerbröselt haben ist krass. Hoch die internationale Solidarität, my ass.

Allerdings muss man garnicht so International gucken, auch die lokale Solidarität ist begrenzt, auch die eigene. Überweise ich jetzt noch schnell der netten Einrichtung um die Ecke, dem Kino, der Kiez-Kantine eine Spende, damit sie überleben kann … oder spar ich das Geld lieber damit wir in den nächsten drei Monate mit ALG II über die Runden kommen. Denn so wie es aktuell aussieht wird es nicht mehr als ALG II werden.

Die Tatsache, daß es vielen auch so geht, macht es nicht besser. Plötzlich ist eine Festanstellung, in einem Job den man auch vom Home-Office machen kann, keine schlechte Idee gewesen. Noch besser: Home-Office ist nicht möglich, der Job aber nicht Systemrelevant. Einfach weiter sein Geld kriegen und nix tun.

Man liest auf Twitter die schönen modernen Märchen von Vermietern die angesichts der Notlage die Miete reduzieren. Von Unternehmern die das Gehalt weiter zahlen, auch wenn die MitarbeiterInnen nicht kommen. Schön ist das, gibt auch Hoffnung. Allerdings nur auf Twitter.

Der persönliche Schwerpunkt der Online-Recherche hat sich von internationalen Corona-Nachrichten auf das durchforsten möglicher Hilfsprogramme verlagert. Die letzten zwei Wochen haben Bund und Länder im Tagesrhytmus irgendwelche Hilfen angekündigt, die genauen Bedingungen aber nicht im gleichen Zug veröffentlicht sondern versprochen diese bald nachzureichen. Klar ist, so etwas einfaches wie ein temporäres Grundeinkommen wird nicht kommen. Oder vielleicht doch, aber auf keinen Fall wird es so genannt. Vielleicht nennen wir es bedingungslose Soforthilfe. Oder ALG II für alle. Auf keinen Fall Grundeinkommen.

Man solle mit seinem Vermieter reden, man solle mit seinem Arbeitgeber reden – ganz offensichtlich gibt es immer noch einen tief verwurzelten Glauben an die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Unternehmer und Eigentümer. Das ist irritierend, denn diese Eigenschaften habe ich in meiner Lebenszeit von dieser Personengruppe noch nicht kennengelernt.

Und – kleiner Themenwechsel – was ist denn eigentlich mit der Arbeit die man noch hat, und auch eigentlich machen möchte, jedoch bei einem Arbeitgeber der unzureichende Massnahmen zum Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter durchführt? Kommt dann das Gesundheitsamt und tritt ihm in den Arsch oder geht man wieder Rückwärts aus der Bürotür und sagt “Ich brauche das Geld dringend aber riskiere nicht mein Leben und das meiner Familie dafür”.

Geht mir schon alles ein bisschen auf die Nerven. Lagerkoller?