Ehrgeiz

Als ein Mensch, dem Ehrgeiz schon immer suspekt war, fand ich natürlich “Arbeit Nervt” von Deichkind einen grossen Wurf. Besonders die Text-Passage: “Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht des Versagers” hat ganz großartig DAS bestätigt, womit ich mir schon immer das eigene Versagen schöngeredet habe.

Nun aber Mal wieder ein kleiner Haken zur Arbeitswelt geschlagen. Es findet ja aktuell eine zwei Klassen Arbeitskultur statt. Die Festangestellten gehen nach Hause, machen Homeoffice und delegieren von dort die freien Mitarbeiter zwischen den Corona-Schlachtfeldern hin und her. Das heisst, die Freien sitzen weiter im Sender, stehen auf der Strasse und machen Interviews, gehen in die Firma und machen die Arbeit, vor Ort, wie immer.

Nun begegnet man in der Medienwelt vielen dieser mir suspekten Ehrgeizigen: sie tun als seien sie Immun gegenüber dem Virus und schmunzeln über die Schutzmassnahmen. Sie beschweren sich weil die Massnahmen ihre Arbeit beschwerlich machen und sie drängen die Kollegen Dinge zu tun die laut Regularien verboten sind – zum Beispiel Ansteckmikrofone verwenden. Diese ehrgeizigen Medienleute, vorwiegend relativ Jung, sehen nun ihre Chance gekommen. Sie arbeiten bis zur Erschöpfung, sie profilieren sich so gut es geht, fast wie eine moderne Variante des Kriegsjournalismus. Für mich ein neuer Level von Selbstausbeutung, weil sie nicht mehr “nur” sich selber in Gefahr bringen sondern auch andere Leute, wissen wir ja alles, tausend Grafiken dazu gesehen.

Ich kann leider nicht anders als dies Verhalten mit einem gewissen schaudern wahrzunehmen. Arbeit Nervt.