BSE

Ich sitze da und überlege ob ich nicht ein Lied zu Corona schreiben soll. Für diesen Blog. Und überhaupt. Ein Lied zu Corona? Irgendwie kann das nur Scheiße werden, oder? überlege, ob es möglich ist ein Lied dazu zu machen, was nicht Scheiße ist, oder banal (was vielleicht die niedrigste Form von Scheiße ist).

Nun ja, Nachdenken ist vielleicht ein zu großes Wort für diesen Vorgang in meinem Kopf; Ich lasse meine Gedanken schweifen.

Mir fällt ein Lied ein, was ich in den mittigen 90ern geschrieben habe. Der Anlass war Rinderwahnsinn oder BSE (wie es offizieler hieß). Ich kann mich nur noch dunkel daran erinnern. Hatte ich den Text vielleicht digital abgespeichert?

Ich begebe mich in das tiefste Backup-Archiv meiner Festplatte und grabe und grabe und … Und siehe da! Tatsächlich! Mein BSE-Lied-Text! (Manchmal zahlt sich Archivierung eben doch aus, lieber Murphy!)

Ok. Jetzt hab ich ihn vor mir, den Text dieses Liedes. hmmmmm…. What next?

Ich versuche mich an Rinderwahnsinn und die damalige Zeit zu erinnern.

Eigentlich fällt mir genau eine konkrete Erinnerung dazu ein. Es ist Sommer. Wochenende. Irgendwo in Braunschweiger Pärepherie wird eine Geburtstagsparty gefeiert. Es ist dunkel. Mit einem großen Lagerfeuer. Neben mir am Feuer packt ein Pärchen eine Ritter-Sport Zartbitter Schokolade aus. Wir kommen ins Gespräch. Sie Essen die Schokolade, weil da keine Kuhmilch drinnen ist. Aus Vorsicht. Wegen BSE aka Rinderwahnsinn,weil eben noch nicht geklärt ist, wie genau es übertragen wird.

Ich selbst war vor der Zeit schon längst zum Vegetarismus konvertiert. Aus anderen Gründen. Veganer waren damals fast unbekannt. Eigentlich fühle ich mich auf der sicheren Seite. Kein Fleisch. Keine Gelatine. Alles klar! Aber das Gespräch mit den Beiden beeindruckt mich doch sehr. Einerseits verunsichert es mich. Bin ich wirklich sicher? Nur weil ich Vegetarier bin? Andererseits, dieser überwiegt wenn ich mich recht erinnere, bei weitem, finde ich das Pärchen und ihre Motive irgendwie schwach. ICH Esse kein Fleisch weil ich mich nicht schuldig machen will. SIE essen kein Fleisch (und keine Vollmilch-Schokolade), weil sie auf Nummer sicher gehen wollen. Buh!

Aber grundsätzlich dachte ich damals mit Sicherheit auch: Super! Endlich gibt es einen ernsthaften Anlass um über Massentierhaltung nachzudenken. Und über den eigenen Fleischkonsum.

Zurück zu Corona. Ich weiß nicht ob es in meiner Geschichte Parallelen zum jetzt und Heute gibt. BSE hat zwar eine kurzzeitige gesellschaftliche Verunsicherung erzeugt. Aber keine bleibenden Spuren bei den meisten Konsumenten hinterlassen. Corona ist viel, viel weiter. Es ist gerade dabei alles umzukrempeln. Was daraus noch wird, wird sich Zeigen. Und auch wie Nachhaltig diese Veränderungen sein werden.

Nun zurück zu meinem Text. Das Lied was ich damals auf der akkustischen Gitarre geschrieben habe, nimmt textlich eine distanziert-ironische Haltung zum Thema ein. Der Virus wird zur eigenen Figur. Die Musik dazu war – gewollt – unharmonisch und unmelodisch. Vom musikalisch-textlichen Gestus war das Lied deutlich inspiriert von Liedern der Zeit, wie „Three little pigs“ von Green Jelly oder auch „Too many puppies“ von Primus.

Künstlerisch war das Lied sicherlich kein großer Wurf. Aber es war – auch nach meinem jetzigen ermessen nach – nicht „Scheiße“. Immerhin! Heute würde ich so etwas wohl trotzdem nicht mehr schreiben. Dafür fühle ich mich wohl – wie alle anderen auch – längst zu betroffen.

—–

Hier der Text von damals:

Mr. K. Jacobsen

kleines Hirn, großes Hirn, willst Du mich nicht reinlassen? kleines Hirn, großes Hirn,willst Du mich nicht reinlassen?

Ich … bin der BSE, und ich tue dir bestimmt nicht weh! laß mich endlich rei-ein!!!

kleines Hirn, großes Hirn, willst Du mich nicht reinlassen? kleines Hirn, großes Hirn, willst Du mich nicht reinlassen?

Ich … bin der BSE, „S“ wie Spaß!!! Laß mich endlich rei-ein!!!

kleines Hirn, großes Hirn, willst Du mich nicht reinlassen? kleines Hirn, großes Hirn, willst Du mich nicht reinlassen?

Muhhhhhhhh Muhhhuuuhuu Muhhhhhhhhhhhhuuuu