Ok, das reicht (bald)

Immer noch gibt es diese Momente, in denen ich gedankenverloren draußen herumfahre / – laufe und für einen klitzekleinen Moment einfach diesen ganzen Coronashit vergesse. Wirklich nur für ein paar Sekunden.

Der Geist entspannt sich blitzschnell, man wird ruhig, denkt, was man alles Schönes machen könnte. Alles erscheint normal, bis man wieder “zu sich kommt” und realisiert, das es noch lange nicht vorbei ist. Wie gesagt nur ein paar Sekunden.

Aber: Der Lagerkoller beginnt, die Wettervorhersage ist gut, 20-25 °C nächste Woche. Goodbye Compliance würde ich mal sagen.

Ich muss häufig darüber nachdenken, welche der Stimmungen die man so durchläuft individuell sind und welche davon u.U. ein kollektives Gefühl sind. Ich muss zurückdenken an meine Zeit in Köln. In Kalk, spezifischer. Ich treffe meinen Studienkollegen Pascal auf der Strasse, wir quatschen ein bisschen und gucken uns die vorbeiziehende Anti-Nazi-Demo an. Ehe wir uns versehen, stehen wir mit unseren Einkaufstüten und 200 anderen Leuten in einem Polizeikessel, beide Seiten der Nebenstrasse sind abgesperrt. Zuerst scherzt man, eine amüsante Situation, nach 3-4 Stunden allerdings alles andere als komisch, merkt man seine Agression gegen die Polizei hochsteigen.

Dieses Ereignis ist viele Jahre her, doch immer noch erinnere ich mich an diese langsam hochkochende Wut, einfach weil ich mich nicht mehr frei bewegen konnte, Schuld war die Polizei, deren Gründe mir egal. Diese Stimmung war definitiv kollektiv, sie hat geeint, den Black Block, die Mutti mit ihren Kindern, die Studenten mit Einkaufstüten.

Die Corona-“Kontaktsperre” ist weit davon entfernt, aber ich merke, dass immer mehr Leute bereit sind die Situation (und die Risiken, die damit verbunden wären “zur Normalität zurückzukehren”) neu zu verhandeln.

Ich glaube es muss etwas “neues” passieren um die Leute bei der “Stange” zu halten, die Einschränkungen weiter durchzuziehen. Ich habe keine Ahnung was das sein könnte. Aber irgendwie erscheint mir als fallen bald die letzten Tropfen, die das öffentliche Stimmungsfass zum überlaufen bringen werden.

Eigentlich sollte es ganz einfach sein, sich zu motivieren, denn die Alternative haben wir gesehen: Risikogruppen werden in überfüllten Krankenhausfluren herumliegen und abkratzen, weil keine Beatmungsgeräte und Intensivbetten verfügbar sind. Haben wir alles in Italien und Spanien sehen können.

Im übrigen, nennt es Kulturpessimismus: Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger glaube ich daran dass die Erfahrung dieser Pandemie IRGENDEINE relevante gesellschaftliche Veränderung anstossen wird.

Maybachufer, ja man darf jetzt wieder verweilen, aber nur kurz, würden sie bitte Aufstehen